Sonntag, 26 Januar 2020 00:10

LTKT stellt Notdienstplattform auf 10. Leipziger Tierärztekongress vor

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Was für ein Kongress! 6.200 Besucher auf Leipziger Messe

Auf der Jubiläumsausgabe des Leipziger Tierärztekongress in seiner zehnten Auflage trafen sich rund 6200 Tierärzte, TFAs und verwandte Berufsgruppen zur größten deutschsprachigen veterinärmedizinischen Fachveranstaltung.

 

Wie groß die Beliebtheit des LTK ist, zeigt ein simples Beispiel: Bereits im Dezember waren die Karten für den ersten Kongresstag, den 16.01.2020, ausverkauft.

Diejenigen, die an der Auftaktveranstaltung teilnehmen durften, erlebten unter der Überschrift „Bitte geraderücken! Das Bild des Tierarztes in der Öffentlichkeit“ eine rege Diskussion über berufsständische wie gesellschaftlich bewegende Themen: Die aktuelle Notdienstgebühr wurde gemeinsam mit der Anhebung der GOT ebenso thematisiert wie die Wahrnehmung des Tierarztes bei Tierschutz und Tiertransport oder Tierhaltung in Landwirtschaft und Forschung. Immer wieder wurden sowohl in den Eröffnungsvorträgen als auch in der sich anschließenden Diskussion Verbesserungen der positiven Wahrnehmung des Berufsstandes in der breiten Bevölkerung eingebracht und Vergleiche zu nahestehenden Berufen gezogen. Der Konsens lässt sich wohl am besten zusammenfassen mit „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ und einem größtenteils positiven Blick in die Zukunft. Wir dürfen gespannt sein, wie wir unsere Tierärzteschaft weiterentwickeln!

 

Mit dieser Motivation im Gepäck wurden die Fachvorträge eröffnet. Für wirklich jeden aus dem tierärztlichen Fach war für Veranstaltungen gesorgt: Kurse für Kleintierchirurgen, Vorträge zu  beispielsweise Lahmheiten beim Pferd und Versuchstieren, Diskussionen zum Ethikkodex in der Tiermedizin, Reihen über die nahende Afrikanische Schweinepest und Rück- und Ausblicke ins (inter-) nationale Tierseuchengeschehen, Veranstaltungen zur Verhütung von Tierschutzwidrigkeiten und natürlich Vorträge und Kurse Klauengesundheit – um nur einige wenige zu nennen. Und auch „Exoten“ wie die Honigbiene, Fische, Vögel und Reptilien sowie kleine Heimtiere wurden Vortragsreihen und Kurse gewidmet.

Für wirklich jeden Tierarzt – ganz gleich ob praktizierend, im Amt oder anderswo – zeigten sich mehr Veranstaltungen auf dem Plan, als hätten besucht werden können! Und wenn sich doch einmal eine Pause ergab, bot die Industrieausstellung mit rund 150 Ausstellern genügend Möglichkeiten der Information über Neuigkeiten auf dem tiermedizinischen Markt.

 

Eine Thematik, die speziell der Thüringer Landestierärztekammer seit langer Zeit am Herzen liegt, ist die Sicherstellung des tierärztlichen Notdienstes mit Zufriedenheit aller Beteiligten. So gestaltete die LTKT am Samstag einen eigenen Block zu „Recht für Tierärzte“ unter dem Vorsitz von Kammerpräsident Lothar Hoffmann und Vorstandsmitglied Bodo Kröll.

Herr Althaus, Rechtsanwalt mit Spezialisierung auf tierärztliche Belange führte in einem ersten Vortrag aus, wie das Arbeitsrecht und insbesondere „Arbeitszeiten und deren Vergütung“ in der Tierarztpraxis umgesetzt werden müssen. In einem zweiten Vortrag widmete er sich „Negativbewertungen bei jameda, Facebook und Co.“ und dem Umgang mit diesen. Welche Möglichkeiten hat der Tierarzt und wo ist laut geltendem Recht das Ende der Meinungsfreiheit von Bewertenden im Internet? Gerade in diesem Zusammenhang ging Herr Bemmann auf den wichtigen Punkt des „Sorgfaltsmaßstabs in der tierärztlichen Untersuchung und Behandlung im Hinblick auf Haftungsrisiken ein“ und zeigte in einem fachlich ausgereiften wie gewitzten Referat, welche Fallstricke bei Dokumentations-, Aufklärungs-, Sorgfaltspflicht und anderen Normen dem Praktiker aufwarten.

Dass man „Mit guter Personalführung zum Erfolg“ kommt, konnte Bodo Kröll durch sein Fachtierarztzentrum für Klein- und Heimtiere in Erfurt unter Beweis stellen. Er erzählte aus dem Praxisalltag und „was Mitarbeiter glücklich macht“. Anschaulich legte er ans Herz wie wichtig das richtige Maß an Mitgefühl und dennoch respektvoller Distanz zum einzelnen Mitarbeiter, Fairness, Gehalt, Arbeitszeit- und Praxisgestaltung im Team sind. Praktische, wertvolle Hinweise zur Kommunikation zu und zwischen den Mitarbeitern im Praxisalltag gab er dem Auditorium an die Hand und empfahl vor dem Entstehen von Problemen sich Rat bei Spezialisten von außen zu suchen.

Mit einem der zurzeit meistdiskutierten Themen bildeten Lothar Hoffmann und Alexander Schneeberg den Abschluss dieser Session: Die „Notdienstplattform Thüringen“ konnte Ende letzten Jahres in einigen Pilot-Kreisen eingerichtet werden. Thüringen nimmt bei der Lösung der Notfall-Problematik eine Vorreiterrolle ein. Wie diese Plattform aufgebaut ist, wo die Möglichkeiten, die Vorteile und die Schnittstellen zum Patienten liegen, brachte Schneeberg auf den Punkt. Die Notdienstplattform für den Kleintierbereich zeige, wie gut ein gemeinsam organisiertes System laufen könnte. Denn gerade bei der Klärung des Notdienstplanes sei die Landestierärztekammer im steten und regen Gespräch mit allen beteiligten Praktikern, um eine faire und für alle optimale Gestaltung des Planes zu erreichen. Wichtige Fragen, wie beispielsweise die Abdeckung des Notdienstes bei Nutztier oder Pferd würden in näherer Zukunft geklärt werden. Ein Miteinander stehe an erster Stelle. Für die bisherigen Erfolge kamen Anerkennung und interessierte Nachfragen von anwesenden Praktikern und Kammermitgliedern aus dem gesamten Bundesgebiet. Dabei wurde wiederholt klar, wie wertvoll eine solche Handhabung des Notdienstes ist: „Organisierter Notdienst schafft Freiräume“ für den Praktiker, kann Patientenleben retten und bringt Objektivität in die Planung und Umsetzung.

 

Thüringen steht damit als Pionier in einem besonderen Fokus. Und vielleicht können ja beim nächsten Leipziger Tierärztekongress 2022 dann weitere Kammern schon über Erfolge bei der Planung von Notdiensten nach dem Thüringer Vorbild berichten. Wir freuen uns in jedem Falle schon jetzt, in zwei Jahren erneut in die Fortschritte der vielfältigen Aufgabenbereiche von uns Tierärzten blicken zu können!

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