Mittwoch, 27 November 2019 23:18

Tierärzte, Tiergesundheitskontrolleure und Landwirte an einem Tisch

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Aktuelle Situationen wurden besprochen und Lösungsansätze gemeinsam erarbeitet

Wie jedes Jahr trafen sich Thüringer Tierärzte, Landwirte und verwandte Berufsgruppen zur Gemeinschaftstagung der Tierärzte und Landwirte in der Messe Erfurt zum gemeinsamen Gedanken- und Ideenaustausch.
In der mittlerweile 23. Ausgabe dieses Forums standen am 06. November 2019 die aktuellen Themen des Tierwohls sowie die neuen rechtlichen Bestimmungen der TÄHAV und des AMG im Vordergrund. Unsicherheiten und Versorgungslücken treten seit den Novellierungen der gesetzlichen Regelungen fast täglich in der (Groß-)Tiermedizin auf. Was kann also verbessert werden?

 

Zunächst wurden die aktuellen und die zusätzlich demnächst hinzukommenden Veränderungen im Rahmen des Tiergesundheits- sowie des Arzneimittelgesetz durch Prof. Dr. Hans-Joachim Bätza, Berlin und Dr. Robert Hertzsch, Uni Leipzig vorgestellt und erläutert. Die jeweiligen Anpassungen werden durch Neuausrichtungen der Gesetze im europäischen Rahmen nötig werden. Hierbei soll ein einheitlicheres Vorgehen unter anderem in Bezug auf Tiergesundheit und Medikamenteneinsatz innerhalb der EU erreicht werden. So erläuterte Herr Prof. Bätza am Beispiel von BVDV, wie künftige Tilgungsprogramme aussehen sollen. Herr Dr. Hertzsch zeigte, wie sich die Umwidmungskaskade verändern wird und welche neuen Fallstricke es für Tierärzte insbesondere bei der Behandlung mit Antibiotika geben könnte.
Einen Lösungsansatz, wie Hähnchenmast mit einem sehr viel geringeren Antibiotikaeinsatz auskommen kann, stellte Herr Holger Bonsack als praktizierender Tierarzt aus Drei Gleichen vor. Nicht nur Punkte wie Management, Personal und Stallhygiene, auch die Fütterung, Darmgesundheit durch Prä- und Probiotika, Immunprophylaxe und Vakzinierungen sowie Zucht und Genetik wirkten sich seinen persönlichen Erfahrungen nach immens auf die benötigten Antibiotikamengen aus.
Ebenfalls mit Blick auf das Tierwohl brachte Frau Simone Müller vom Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum den Fokus auf den Kupierverzicht beim Schwein und konnte erste Ergebnisse aus dem Thüringer Pilotprojekt darstellen. Auch sie wies auf die wichtigen Faktoren des Personals, des Stallklimas, der Fütterung sowie der Wasserbereitstellung und -qualität hin. Ihre vorgestellten Ergebnisse legten nahe, dass bei Tieren, deren Schwänze zur Hälfte kupiert worden waren, die Gefahr von Teilstückverlusten wesentlich geringer war als bei weniger kupierten Schweinen. Weitere Daten und Auswertungen werden folgen.
 
Nach der Mittagspause, bei der sich die Teilnehmer nicht nur stärken sondern auch an den Ständen der Industrieaussteller über Neuigkeiten informieren und Kontakte pflegen konnten, brachte Dr. Christian Wunderlich von Zoetis mit der Vorstellung der Gesundheitsüberwachung von Milchkühen durch eine Ohrmarke neuen Wind in die Tiergesundheit und ihre Überwachung. Er stellte damit ein System vor, welches teilweise Stunden vor klinischen Symptomen Informationen und Meldungen über potentiell nahende Krankheiten an den Landwirt schicken kann.
Herr Uwe Schmidt von der Rinderhof Kauern GmbH bewies mit seinem Vortrag, wie moderne Milchkuhhaltung funktionieren sollte. Auf der Basis seiner eigenen Erfahrungen machte er sich mit dem Publikum auf die "Suche nach dem perfekten Milchviehstall". Ein Konzept, welches im wahrsten Sinne Schule macht, da ein integriertes Schulungszentrum sowie das Kuh-Café mit Panoramafenster zum Stall Einblicke in die tägliche Arbeit mit Milchkühen bieten und Landwirtschaft somit auch Schülern nahegebracht werden kann.
Den Abschluss bot Herr Josef Resch als Tierarzt aus Poing dar, indem er zu Impfungen als Alternative zur herkömmlichen Behandlung der Absatzferkeldiarrhoe sprach. Er ging dabei vor allem auf E. coli ein, der gerade beim Absetzen zum gefährlichen Keim wird, da die Ferkel zu diesem Zeitpunkt aufgrund unterschiedlicher Faktoren großem Stress ausgesetzt sind. Dabei konnte er mit Beispielen aus der Praxis einiger Betriebe zeigen, dass mittels der Vakzination das Risiko einer Infektion mit ETEC-Keimen stark reduziert werden konnte und somit vielversprechend für die Zukunft der Tiergesundheit im Sektor der Absatzferkel sein wird.
 
 
Mit den Abschlussworten Herrn Dr. Lothar Hoffmann als Präsident der Landestierärztekammer endete ein vielfältiges Programm. Herr Hoffmann mahnte an, dass man insbesondere mit Blick auf die weiteren anstehenden Veränderungen im legislativen Bereich früher reagieren müsse und praktizierende Tierärzte, Landwirte sowie Tierärzte im Vollzug gemeinsam ihre Kräfte bündeln sollten. Auch und vor allem bei der Umsetzung der Gesetze sei ein gemeinsames Handeln der beste Weg für die Tiergesundheit sowie die dahinterstehenden Menschen.
Gelesen 39 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 28 November 2019 00:07