Samstag, 06 April 2019 18:34

Bericht in der Weiterbildung zum Fachtierarzt für kleine Wiederkäuer

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Modul 13 in Leipzig – Chirurgie beim kleinen Wiederkäuer und Neuweltkameliden

Am 15. Und 16.03.2019 traf sich der Fachtierarztkurs zum vorletzten Modul in der Klinik für Klauentiere der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig unter der Leitung von Prof. Dr. Alexander Starke und seinen zahlreichen Mitarbeitern. In diesem Modul lag der Schwerpunkt auf der Chirurgie am kleinen Wiederkäuer. Von der Anästhesie über Zahnfehlstellungen, Klauenerkrankungen bis hin zu Geburtskomplikationen wurde ein umfangreiches Repertoire dargeboten.

Am Freitag startete der Kurs zuerst mit einer theoretischen Einführung in das Thema. Dr. Udo Moog begann mit einem Vortrag über Kastration und Schwanzamputation beim Lamm/Kitz, welchen er kurzfristig für die erkrankte Dr. Regina Hannemann übernahm. 

Anschließend referierte Dr. Wolf Wippermann über die Anästhesie und das Schmerzmanagement. Dessen Feinheiten sind in der Medikamentendosierung bei kleinen Wiederkäuern existentiell und jeder zukünftige Fachtierarzt sollte diese berücksichtigen, um erfolgreiche Operationen durchzuführen.

Als dritter Vortrag erläuterte uns Dr. Mathias Kaiser die Zahnprobleme bei KWK und Neuweltkameliden mit vielen anschaulichen Bildern.

Dr. Adriana Wöckel gab abschließend einen umfangreichen Überblick über die Reproduktionsstörungen und die damit assoziierten Operationen. Mit ihrer Nähe zur Praxis begeisterte sie viele Zuhörer.

Nach dem theoretischen Input ging die Gruppe geschlossen auf die für ihre kulinarische Vielfalt bekannte Karl-Liebknecht-Straße und bei geselligem Beisammensein fand ein Austausch zwischen Praxis und Klinik sowie über individuelle Tips statt.

Am Samstag begann Dr. Alexander Starke mit einem Vortrag über Erkrankungen des Bewegungsapparates. Anschließend zogen sich alle Teilnehmer die bereitgestellten Overalls an und es wurde zum praktischen Teil übergegangen. Dank der umfangreichen Vorbereitungen der Klinik hatten die Kursteilnehmer eine Vielzahl an Patienten zur Verfügung und somit die Möglichkeit einige Probleme praktisch aufzuarbeiten und die eigene Expertise zu stärken.

Die Gruppe wurde dreigeteilt und rotierend konnten so einige Fälle intensiver bearbeitet werden. Adela Cerna leitete die Gruppen pünktlich von Station zu Station. Eine Station wurde von Lisa Scherf und Romy Weck geleitet und mithilfe zahlreicher Klauen von Schlachttieren konnte jeder Teilnehmer den Klauenschnitt üben, sowie unter vorheriger Anleitung eine Klauenamputation durchführen. Gleichzeitig wurde an einem lebenden Schaf die Leitungsanästhesie für diese Operation demonstriert. Die beiden Mitarbeiterinnen standen für alle Fragen zur Verfügung und konnten ihre Erfahrung anschaulich weitergeben.

In einer weiteren Station wurde die aufwendige Extraktion eines Backenzahnes bei einem Schaf demonstriert. Sehr interessant hierbei war der eigens für den Klinikbedarf angefertigte Maulkeil. Neben den Röntgenbildern, die im Vorfeld in mehreren Ebenen angefertigt und von Josepha Hermann erläutert wurden, operierte Dr. Mathias Kaiser und schaffte es mit viel Geduld den Zahn mit Längsfraktur in mehreren Teilen erfolgreich zu entfernen. Die im Vorfeld schon vorhandene Fistelöffnung des erkrankten Zahnes im Unterkiefer wurde dabei als OP-Kanal genutzt.

Ebenso wurde noch die Organdiagnostik am Schaf mittels Ultraschall demonstriert sowie der Ziegenbock einer Kursteilnehmerin nach tierärztlicher Indikation (eingewachsene Hörner) unter Narkose und örtlicher Betäubung enthornt.

Eine Kursteilnehmerin brachte einen eigenen Patienten mit in die Klinik. Dieses Mutterschaf mit Lamm bei Fuß besaß eine faustgroße Umfangsvermehrung im oberen Halsbereich unterhalb des Kiefers. Nach der (Ultraschall-)Untersuchung dieser Umfangsvermehrung wurde neben einer Punktion auch eine Biopsie (Gewebeprobe) entnommen die im Anschluß pathohistologisch als Tumor identifiziert wurde.

Weiterhin wurde von Dr. Adriana Wöckel (Operateurin) und Teja Snedec (Anästhesistin) sowie von zwei Kursteilnehmern assistiert ein Kaiserschnitt an einem Schaf durchgeführt. Da es sich um eine übergangene Geburt mit einer bereits wieder verschlossenen Zervix handelte, konnte das Lamm nur noch tot entwickelt werden. Das Klinikteam nutze die Situation zur Demonstration einer Fetotomie außerhalb des Mutterleibes mit einem praxistauglichen Fetotom-Ersatz. Alle Kursteilnehmer verfolgten gespannt die Vorgehensweise, da dies glücklicherweise eine eher selten durchgeführte Praktik im Alltag eines Tierarztes ist.

Dr. Wippermann kastrierte an anderer Stelle nacheinander drei Böcke unter Beteiligung von jeweils zwei Kursteilnehmern. Die blutige Kastration als eine gängige Operation in der Praxis war für alle interessant und jeder hat etwas mitgenommen.

An dieser Stelle möchte ich den enormen Aufwand wertschätzen, denn sowohl materiell als auch personell wurde viel in diesen Tag investiert. Allein neun Klinikmitarbeiter waren für drei Stunden beschäftigt und standen davor und danach für Fragen zur Verfügung. OP-Besteck, Kippstände und OP-Tische mussten vor- und nachbereitet werden. Vielen Dank für das Engagement!

Am späten Nachmittag waren alle Operationen erfolgreich beendet und nach der gemeinsamen Nachbesprechung war das „blutige Modul“ zu Ende. 

 

Text: Anna Weber

Gelesen 51 mal Letzte Änderung am Samstag, 06 April 2019 19:05
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