Mittwoch, 24 Januar 2018 09:32

Empfehlungen zur Frühkastration von freilebenden Katzen

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Das Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (TMASGFF) hatte kürzlich die Landestierärztekammer gebeten, sich zur Möglichkeit der Frühkastration von Katzen zu äußern und verwies dabei auf Studien aus den USA. In diesen wird berichtet, dass eine Kastration im Alter von 6 bis 8 Wochen ohne größere Probleme durchgeführt werden kann.

Dies wäre natürlich ein wichtiger Baustein für eine wirksame Eindämmung frei lebender Katzenpopulationen, wenn z. B. Katzen aus Tierheimen nur noch kastriert abgegeben werden sowie bei eingefangenen freilebenden Katzen bereits ab diesem Altersabschnitt der Eingriff vorgenommen würde. So ist bekannt, dass einmal eingefangene freilebende Katzen sich nur mit großen Schwierigkeiten erneut einfangen lassen. Daher wäre auch hier eine Vorverlagerung des Kastrationszeitpunktes sachdienlich.

In den letzten Jahren ist festzustellen, dass die Zahl freilebender Katzen deutlich ansteigt. Tierschutzvereine und Kollegen berichten, dass Kastrationsaktionen nur dann erfolgreich sind, wenn diese regelmäßig durchgeführt werden. Ohne diese Eingriffe kann eine Katzenpopulation bei durchschnittlich drei Welpen pro Jahr und Katzenpaar in zehn Jahren bis auf 80 Millionen Tiere anwachsen (BOHNET 1997). Die Kastration freilebender Katzen sowie auch der im Haushalt befindlichen Freigänger bleibt daher die wichtigste Methode, um einer überhandnehmenden Populationsdichte entgegen zu wirken.

Nach Befragung von Kleintierpraktikern in einem Thüringer Kreis gab es jedoch große Vorbehalte zur Frühkastration. Neben ethisch-moralischen Bedenken wurden als ablehnende Gründe angeführt:

  • höheres Narkoserisiko, Nachdosierungen erforderlich,
  • Organsystemen fehlt die körperliche Reife,
  • phänotypische Nachteile nach Frühkastration,
  • T. wurden negative Auswirkungen auf das spätere Verhalten genannt,
  • bei Katern würde die Harnröhre „juvenil“ bleiben,
  • in Tierheimen leben die Katzen in einem Erregermilieu, welches operative Eingriffe zum Risiko macht, dies ist besonders für sehr junge Tiere eine Belastung.

Auch wurde erwähnt, dass „Gemischtpraktikern“ zumeist das entsprechende Equipment zur Kastration dieser kleinen Tiere fehlt.

Aufgrund dieser Bedenken wurde Herr Dr. Pfeil (Tierklinik Jena) um eine Stellungnahme zur Frühkastration gebeten, in der er zum Stand dieser Methode recherchierte (siehe Anlage). In seinem Fazit kommt er zu der Einschätzung, dass die Frühkastration bei Vorliegen einschlägiger Erfahrungen mit der Operationstechnik und Narkosen von jungen Tieren technisch problemlos durchführbar ist. Generell sollten die Tiere möglichst mindestens einmal entwurmt und geimpft sein, wobei ein Abstand von 7 - 10 Tagen zur Impfung bestehen sollte.

Der Ausschuss für Tierschutz der LTK kommt hiernach zu der Einschätzung, dass nach Abwägung aller Faktoren die Frühkastration nach derzeitigem Kenntnisstand eine geeignete Maßnahme darstellt, um das Anwachsen freilebender Katzenpopulationen zu verhindern und damit Schmerzen, Leiden und Schäden bei diesen Tieren entgegenzuwirken.

Der Ausschuss empfiehlt, die Frühkastration als Methode der Wahl einzuführen, wobei die Altersgrenze der zu kastrierenden Katzen bei 12 Wochen liegen sollte bzw. die Tiere ein Körpergewicht von 0,8 - 1,0 kg erreicht haben.

Gebührenberechnung für Katzenkastrationen

Am 27. Juli 2017 ist die novellierte Gebührenordnung für Tierärzte in Kraft getreten, wobei u. a. für die Kastration von Katzen eine Änderung erfolgte.

Dazu informiert die Bundestierärztekammer: „Neu ist die Möglichkeit, die einfachen Gebührensätze für die Kastration eingefangener freilebender Katzen zu unterschreiten. Die tierärztliche Leistung darf nur für gemeinnützige Tierschutzvereine verbilligt angeboten werden und nur dann, wenn die zur Kastration eingefangenen Tiere nach dem Eingriff wieder in die Freiheit entlassen werden sollen. Unterschritten werden dürfen dabei alle Leistungen, die in Zusammenhang mit der Kastration erbracht werden, z. B. die allgemeine Untersuchung, die Narkose und Injektionen sowie ggf. erforderliche Nachsorge. Eine Unterschreitung des Einfachsatzes für die genannten Leistungen ist Tierärzten, die dies für akzeptabel halten, erlaubt. Damit besteht aber keinesfalls eine Verpflichtung für alle praktizierenden Tierärzte verwilderte Katzen überhaupt bzw. zu einem übertrieben niedrigen Preis zu kastrieren.“

Bei der vertraglich geregelten Bestandsbetreuung von Tierheimen bestand bereits vorher die Möglichkeit, den einfachen Gebührensatz in vertretbarem Maß zu unterschreiten.

An dieser Stelle wird auch auf das „Spendenmodell“ verwiesen, wonach der Tierarzt im Nachhinein Spenden an den jeweiligen Verein geben kann.

Kennzeichnung kastrierter Katzen

Zum Thema Kennzeichnung kastrierter freilebender Katzen spricht sich der Tierschutzausschuss nachdrücklich gegen die zum Teil immer noch übliche Praxis aus, Teile des Ohres bei den kastrierten Tieren abzusetzen oder dort Einkerbungen vorzunehmen. Dies stellt einen Verstoß gegen § 6 des Tierschutzgesetzes dar. Stattdessen ist nach der Kastration ein Chip zu setzen und die Katze in einem der kostenlosen Register (z. B. Deutsches Haustierregister, Tasso) zu erfassen, um so sicherzustellen, dass kastrierte weibliche Tiere nicht erneut einem Eingriff unterzogen werden und eine Zuordnung des Tieres zu einer Futterstelle/Betreuungsperson möglich ist.

Es wird gebeten, Erfahrungen im Zusammenhang mit der Frühkastration von Katzen an die Landestierärztekammer zu senden.

Erfurt, den 6. Dezember 2017

gez. Dr. Lothar Hoffmann

Präsident

gez. Dr. Gisbert Paar

Vorsitzender Tierschutzausschuss

Gelesen 249 mal Letzte Änderung am Dienstag, 06 Februar 2018 23:54