Samstag, 21 Oktober 2017 00:26

Ein Praxistag für Tierärzte - Bericht zu Modul 4, FTA für kleine Wiederkäuer

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Ein Praxistag für Tierärzte -

Ein Bericht von Dr. Susanne Petersen zu Modul 4 der Weiterbildung zum Fachtierarzt für kleine Wiederkäuer.

Organisiert von den engagierten Schaftierärzten Dr. Udo Moog und Dr. Karl- Heinz Kaulfuß findet unter dem Dach der Landestierärztekammer Thüringen zurzeit eine Fortbildungsreihe für Tierärzte statt, die für die meisten Teilnehmer/innen einen Teil der Weiterbildung zum Fachtierarzt für kleine Wiederkäuer darstellt. Natürlich besteht auch die Möglichkeit zur Teilnahme an einzelnen Wochenendmodulen aus Interesse am jeweiligen Thema, was von den Kollegen gern genutzt wird.  Das ist nur zu begrüßen, denn mehr Wissen der Tierärzte um die Besonderheiten von Schafen und Ziegen, mehr Sicherheit im Einschätzen von Herdensituationen, um den Schafhaltern praxisnahe und realistische Hilfe geben zu können, kann für alle Beteiligten nur von Vorteil sein.

Am Wochenende 25/26.8.2017 fand nun in Eisfeld ein ganz besonderes Modul für die schafbegeisterten Tierärzte statt. Am Freitagnachmittag stand als Vorbereitung im Waldhotel Hubertus die Theorie im Vordergrund: Zuerst referierte Dr. Heinz Strobel routiniert und praxisbezogen über Klauenkrankheiten, anschließend Dr. Regina Hannemann und Dr. Johanna Mewes zur Fruchtbarkeit im Allgemeinen und zur Spermatologie im Speziellen.

Am Samstag waren wir in der Stammzuchtschäferei GbR Gebrüder Kieser. Als erstes wurden wir morgens auf dem Hof von den Schäfermeistern Stefan, Christian und Ewald Kieser anschaulich und gründlich über den Betrieb informiert, der von der Schäferfamilie Kieser mit immerhin fünf Schäfermeistern aus zwei Generationen geführt wird. Mit 2200 Herdbuchmuttern ist diese Schäferei einzigartig in Deutschland. Wir besichtigten die Gebäude der Schäferei, Ställe, Bergeräume, Schlachtraum, betonierte Fahrsilos für Gras- und Luzernesilage sowie Getreidesilos unter Dach. Dabei erfuhren wir, wie der Betrieb seine Lammzeit organisiert, wie gefüttert wird (totale Mischration aus dem Futterwagen), wie die Leistungsprüfung der Zuchttiere organisiert wird, wie mit den Schafen im Sommer in traditioneller Hütehaltung die unterschiedlichen Weiden genutzt werden, wie die Lämmer vermarktet werden, wie die 80 ha Ackerland zur Futtergewinnung eingesetzt werden und viele weitere praktische Belange des Betriebs. Auch die Abhängigkeit von Landschaftspflegeprogrammen mit all ihren Auflagen und Beschränkungen kam zur Sprache.

Auf einer wunderschönen waldeingefassten Grünlandfläche erwartete uns danach die gepferchte 1100 Muttern umfassende Herde von Schäfermeister Thomas Kieser. 

Für uns Tierärzte war es dann ein besonderes Highlight, bei der Gewinnung von Frischsperma und der Besamung im Feld dabei zu sein. Unter Anleitung der Schäfermeister Ewald und Thomas Kieser und mit Unterstützung von Schäfermeister Philipp Kieser konnten sich die Kursteilnehmer im Absamen und Besamen üben. Diese Gelegenheit bietet sich nicht alle Tage. Genau deswegen war dieser Tag bei den Schafen auch für uns Tierärzte organisiert worden.

Danach bekamen wir die Gelegenheit, uns mit Zeit und unter der fachkundigen Leitung von Dr. Heinz Strobel der praktischen Pflege gesunder und kranker Klauen zu widmen.

Abgerundet wurde der Tag bei den Schafen durch eine Rassendemonstration, durch den Thüringischen Zuchtleiter Dipl. agr. Ing. Arno Rudolph. Er stellte uns Rhönschafe, Coburger Fuchsschafe, Weiße Bergschafe, Merinolangwoll- und Merinolandschafe vor. Morgens auf dem Hof waren uns schon die betriebseigene Herde Deutscher Karakulschafe sowie die Angoraziegen und Ouessantschafe der betreuenden Tierärztin Katrin Müller vorgestellt worden.

Wie immer bei solchen Gelegenheiten, gab es beim Umsehen am Rande des Geschehens viele kleine praktische Dinge zum Abspeichern und mit nach Hause nehmen, die in keinem Lehrbuch stehen. Dazu gehört auch der Austrieb der großen Herde auf die Weide, der von zwei Paaren Altdeutscher Hütehunde erledigt wurde, die mit großer Selbstverständlichkeit und Routine die Schafe an uns vorbei dirigierten. Ein berührender Moment, das Ergebnis täglicher Arbeit mit den Tieren. Übrigens lief in der Herde auch eine zutrauliche, prächtige junge Eselin mit.

Ein ganz besonderer Dank gilt der ganzen Familie Kieser, die mit großer Offenheit und Geduld erklärte und alle Fragen beantwortete, und die uns auch noch zum Frühstück und zum Mittag wunderbar bewirtete und versorgte inclusive köstlichem Lammbraten.

Aber nach einem Wochendmodul ist immer vor dem nächsten. Im Oktober steht die Fütterung und im November Zucht und Ökonomie in der Schaf- und Ziegenhaltung im Mittelpunkt. Und 2018 geht es dann weiter...

 

Susanne Petersen, Tierärztin und Schafzüchterin aus Mecklenburg

 

Fotos von Dr. Sönke Allrich, Gießen und Dr. Udo Moog, Jena

Gelesen 518 mal Letzte Änderung am Sonntag, 22 Oktober 2017 18:32