Mittwoch, 19 Juli 2017 08:37

Merkblatt für Tierhalter - Infektiöse Anämie der Einhufer (ansteckende Blutarmut)

geschrieben von
Shetlandpony Shetlandpony LTKT

Was ist die infektiöse Anämie der Einhufer?

Nur Tiere der Familie Equidae (Pferde, Esel, Maultiere, Maulesel, Zebras) sind für diese Viruserkrankung empfänglich, die gewöhnlich tödlich endet.  Menschen sind nicht gefährdet.

Die infektiöse Anämie der Einhufer ist weltweit verbreitet. Sie wird durch ein Virus ausgelöst, das zu den Lentiviren gehört, und im Überlebensfall der Tiere zu lebenslang bestehenden Infektionen führt. Bis an das Lebensende des infizierten Tieres vermehrt sich das Virus und wird über Milch, Speichel, Sperma und Urin ausgeschieden. Damit ist auch eine direkte oder indirekte Übertragung des Virus über diese Ausscheidungen möglich.

Die Inkubationszeit beträgt etwa zwei bis sechs Wochen. Mit der Vermehrung des Virus im infizierten Tier werden spezifische Antikörper gebildet, die zwei bis drei Wochen nach der Infektion erstmalig nachweisbar und Grundlage für die amtliche Feststellung der Krankheit sind.

Virusträger und blutsaugende Insekten (Vektoren) können die Erkrankung übertragen. Hauptsächlich kommen Bremsen in Frage, weniger Mücken und Fliegen. Die Krankheit verläuft akut, chronisch oder inapparent (unauffällig), wobei die klinischen Symptome je nach auftretender Form variieren.

Die ansteckende Blutarmut der Einhufer ist weltweit verbreitet und tritt gehäuft in Asien, Osteuropa und Südamerika auf. In Deutschland tritt die Viruserkrankung sporadisch bei Pferden auf, d.h. es kommt immer wieder zu vereinzelten Ausbrüchen. In den meisten Fällen konnte hierbei in den letzten Jahren ein Zusammenhang zu importierten Pferden festgestellt werden.

Woran erkennt man die infektiöse Anämie der Einhufer?

Das Krankheitsbild umfasst nur allgemeine Symptome, die je nach Verlaufsform (akut, chronisch, inapparent) unterschiedlich stark ausgeprägt sind:

  • Fieber bis zu 41°C
  • gerötete Augen mit wässrigem Ausfluss
  • blasse oder gelbe Schleimhäute (Anämie)
  • punktförmige Blutungen in den Schleimhäuten, besonders am Zungengrund,
  • Konditionsverlust, Schwäche, Gewichtsverlust,
  • Schwellungen an Gliedmaßen und Bauch (Ödeme)
  • Aborte
  • Unfruchtbarkeit
  • unkoordinierte Bewegungen (Ataxien)
  • Kolik
  • Futterverweigerung
  • Blut in den Pferdeäpfeln

Für die chronische Verlaufsform sind sich wiederholende Fieberanfälle und Krankheitsschübe typisch.

Tiere, die symptomlos (inapparent)  erkranken und damit gesund erscheinen, sind lebenslang Träger des Virus und stellen eine ständige Ansteckungsgefahr für andere Equiden dar.

 Wie wird die infektiöse Anämie der Einhufer übertragen?

  • direkt von Tier zu Tier: über Speichel, Urin, Sperma und Milch.
  • über Vektoren: Bremsen, Mücken und Stallfliegen.
  • indirekte Übertragung: von der Mutterstute auf das Fohlen, Eintritt durch gesunde und intakte Schleimhäute und Eintritt durch gesunde Haut und Wunden, nicht nur aus diesem Grund sollte der gemeinschaftlichen Gebrauch von Sattelzeug und Bürsten vermieden werden.

Was tun bei infektiöser Anämie der Einhufer?

Die infektiöse Anämie der Einhufer ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Tiere mit unklarer Symptomatik (siehe oben) sollten sofort dem Haustierarzt vorgestellt werden. Bei Seuchenverdacht ist unverzüglich das zuständige Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt zu unterrichten.

Dieses veranlasst weitere Maßnahmen wie Probenentnahme für diagnostische Untersuchungen, Einzelhaltung der verdächtigen Tiere, Verbringungsbeschränkungen (Teilnahmeverbot für Turniere) und Exportverbote.

Sollte das Virus nachgewiesen werden, muss das betroffene Tier getötet werden. Eine Therapie oder auch Impfung ist weder möglich noch erlaubt!

Hinweise für Pferdebesitzer:

  • Beim Kauf von Tieren auf Einhaltung der geltenden Regeln achten (Chip, Pass), bei Importtieren sind die entsprechenden Gesundheitszertifikate zu fordern und zu überprüfen
  • Kein Zukauf von Pferden aus unklarer Quelle,
  • importierte Pferde aus gefährdeten Gebieten sollten vor Einstellung in den eigenen Bestand in Quarantäne gehalten und auf Infektiöse Anämie der Einhufer untersucht werden,
  • Bluttests zum Nachweis von Antikörpern geben Gewissheit, ob sich Tiere infiziert haben und eine Gefahr für andere Einhufer sein können, zur eigenen Sicherheit kann vor jedem Kauf ein negativer Bluttest gefordert werden
  • vor Turnieren, Auktionen und Exporten sollten Bluttests mit entsprechender Dokumentation im Pferdepass durchgeführt werden,
  • Hygiene beachten: Sauberhalten der Boxen, Stallgasse und alle dazugehörigen Räumlichkeiten,
  • Vermeiden vom gemeinsamen Gebrauch von Sattelzeug und Bürsten; wenn dies doch erfolgt, sollten sie nach jedem Gebrauch desinfiziert werden, da Geräte Hautabschürfungen oder Absorption von Sekreten oder Exkreten bewirken,
  • regelmäßige Entfernung von „Pferdeäpfeln“ und Mist,
  • auf Weiden und Paddocks sollte kein Wasser stehen, sondern eine gute Drainage vorhanden sein,
  • wenn möglich, Weidegänge auf Zeiten mit geringerer Flugaktivität übertragender Insekten verlegen
  • Schutz von Insekten durch das Eindecken der Tiere, den Einsatz von Repellentien sowie Insektenfallen im Stall
  • sorgfältige Dokumentation der Tierbewegungen – wann war mein Tier wo (im Verdachtsfall müssen alle Kontakte zu anderen Pferden ermittelt werden)

 

Aktuelle Situation in Deutschland - Juli 2017

Seit Ende Juni wurde in Deutschland bei 11 Polopferden aus 7 Haltungen die ansteckende Blutarmut der Einhufer (infektiöse Anämie der Einhufer, EIA) festgestellt. Gemäß der entsprechenden Schutzverordnung wurden die positiv getesteten Pferde getötet. Die zuständigen örtlichen Veterinärbehörden leiteten die rechtlich vorgeschriebene Sperrung und Untersuchung der betroffenen Bestände und der Kontaktbetriebe ein. Betroffen sind derzeit die Bundesländer Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Aus den Niederlanden wurde ebenfalls ein Fall bei einem Polopferd gemeldet. Der Hintergrund und mögliche Zusammenhänge der derzeit gehäuft auftretenden Fälle bei Polopferden werden untersucht (Quelle: FLI).

Situation in Thüringen 2017 / Vorsichtsmaßnahmen

Bisher gibt es keine Hinweise auf  eine Beteiligung Thüringer Pferde am aktuellen Infektionsgeschehen. Aufgrund der sich aktuell häufenden Erkrankungsfälle sollte die Situation trotzdem von Veranstaltern von Turnieren mit Pferden, Pferdebesitzern, Tierärzten und von den Behörden aufmerksam beobachtet werden. Krankheitsbedingte Auffälligkeiten von Pferden sollten dem betreuenden Tierarzt vorgestellt und  bei entsprechenden Hinweisen den örtlichen Veterinärbehörden sofort angezeigt werden.

Herausgeber
Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie

Referat Tierseuchenschutz, Tiergesundheit und  Tierkörperbeseitigung

Werner-Seelenbinder-Straße 6

99096 Erfurt

(Stand: 18.07.2017)

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